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VeranstaltungGedenkfeier
Datum2009-08-28
AdresseHaunstetter Friedhof
 Hopfenstr.
 86179
 Augsburg
BerichtGedenkfeier zum 68. Jahrestag der Vertreibung der Deutschen aus Russland in der ehemaligen Sowjetunion

Am 28. August 2009 fand auf dem neuen Friedhof in Haunstetten für die in Folge der Vertreibung und der Verfolgung in der ehemaligen Sowjetunion verstorbenen Deutschen aus Russland eine Gedenkfeier statt. Am Mahnmal für die Opfer der stalinistischen Repressalien haben sich in etwa 130 Personen zur Veranstaltung versammelt. Viele von Ihnen haben als Zeitzeugengeneration die folgenschweren Ereignisse der leidvollen Kriegs- und Nachkriegszeit noch lebhaft in Erinnerung.
Der Vorsitzende der Ortsgruppe Augsburg der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, Juri Heiser, erinnerte an den verleumderischen Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der Sowjetunion vom 28. August 1941 „über die Übersiedlung der Deutschen, die in den Wolgarayons leben“, der pauschal alle Wolgadeutschen der Spionage und Kollaboration beschuldigte. Die im Erlass erhobenen Vorwürfe wurden viele Jahre später aufgehoben, aber die Ereignisse der nachkommenden Jahre markieren einen tiefen und bis in die Gegenwart nachwirkenden Einschnitt in die Geschichte der Deutschen aus Russland.
Der Erlass vom 28. August bildete eine formale Grundlage für die Deportation nicht nur der Wolgadeutschen, sondern auch der Deutschen aus der Krim, der Ukraine aus dem Kaukasus sowie aus den Gebieten Leningrad oder Moskau. Insgesamt sind ca. 890.000 Russlanddeutsche in die Regionen Sibiriens und Kasachstans deportiert worden. Über 300 000 Russlanddeutsche im Alter zwischen 15 und 55 Jahren wurden zur Zwangsarbeit in die stalinistischen Arbeitslager mobilisiert - in die Taiga, in die Kohlengruben, zum Bau von Eisenbahnlinien und Rüstungsbetrieben, wo sie hinter Stacheldraht und unter Bewachung unter unmenschlichen Bedingungen Schwerstarbeit verrichten mussten - auch noch viele Jahre nach dem Kriegsende für den Wiederaufbau des zerstörten Landes. Keine andere Volksgruppe in der Sowjetunion hat unter dem stalinistischen Regime eine derart umfassende physische Ausbeutung erlebt wie die Deutschen. In dieser Zeit hat die Volksgruppe fast ein Drittel ihrer Bevölkerung verloren. Jede russlanddeutsche Familie hatte Opfer des totalitären Regimes in der Sowjetunion zu beklagen.
Weitere Verschlimmerung der politischen Lage der Deutschen aus Russland hat der Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets von 1948 gebracht, Mit dem wurde die Vertreibung die Deutschen "auf ewige Zeiten" festgelegt.
Erst ab 1955 hat sich die politische Lage der Deutschen aus Russland Schritt für Schritt verbessert. Im Jahr 1955 wurde die Sonderkommandantur abgeschafft, das Verbot in die Stammgebiete zurückzukehren blieb jedoch in Kraft. Erst am 29. August 1964 wurden die im Erlass vom 28. August 1941 erhobenen Vorwürfe im neuen Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der Sowjetunion aufgehoben: „Das Leben hat erwiesen, dass diese pauschal erhobenen Anschuldigungen haltlos und Ausdruck der angesichts des Personenkults um Stalin herrschenden Willkür waren.
Am 24.04.1991 erklärt die Sowjetunion im Gesetz „Über Rehabilitierung der unterdrückten Völker“, dass die Repressionen gegen Russlanddeutsche gesetzwidrig und verbrecherisch waren.
„Am Mahnmal für die Opfer der Vertreibung und der Verfolgung erinnern wir uns an die verstorbenen Landsleute sowie an alle Opfer der stalinistischen Herrschaft unabhängig von ihrer nationalen Zugehörigkeit. Ohne Erinnerungen haben wir keine Zukunft“ - sagte Juri Heiser.
Die ökumenische Andacht wurde von Pfarrer Cilic (Katholische Kirche St. Pius) und Pfarrer Dempewolf (evangelische Christuskirche) gehalten. Sie betonten, dass Vertreibung und Verlust der Heimat ein schweres Unrecht gegen die Zivilbevölkerung ist, und so etwas darf nie mehr einer Volksgruppe angetan werden.
Der Stadtrat Stefan Kiefer rief die Deutschen aus Russland auf ihre Geschichte an die Kinder und Enkelkinder weiterzugeben. Im Namen der Stadt Augsburg hieß er die Deutschen aus Russland herzlich willkommen und lud sie ein, sich in Augsburg heimisch zu fühlen.
Zur Erinnerung an die Opfer der Vertreibung und Verfolgung wurde am Denkmahl unter den Klängen der Trompete ein Kranz niedergelegt. Der Chor „Heimatmelodie“ sorgte für den musikalischen Rahmen der Veranstaltung.
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