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VeranstaltungSommerfest am Plärrer
Datum2008-08-24
AdressePlärrergelände
 Kleiner Exerzierplatz
 86153
 Augsburg
Bericht“Zusammenhalten – in Bayern Zukunft gestalten”

Landestreffen der Deutschen aus Russland in Augsburg

Der große Erfolg der traditionellen Sommerfeste der Orts- und Kreisgruppe Augsburg der Landsmannschaft in den letzten Jahren hatte die Landesgruppe Bayern bewogen, das diesjährige Sommerfest am 24. August als Bayerisches Landestreffen unter dem Motto “Zusammenhalten – in Bayern Zukunft gestalten” durchzuführen und damit über die Grenzen Augsburgs hinaus für die Landsmannschaft zu werben.
Die Schirmherrschaft übernahm der Ministerpräsident des Freistaates, Dr. Günther Beckstein. Gemeinsam mit dem Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Christoph Bergner, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, gehörte er zu den Festrednern. Grußworte sprachen der Vorsitzende der Orts- und Kreisgruppe Augsburg, Juri Heiser, der Vorsitzende der Landesgruppe Bayern, Eduard Neuberger, und der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft, Adolf Fetsch.
Das Fest auf dem Augsburger Plärrergelände im Binswanger-Zelt lockte zahlreiche Deutsche aus Russland aus ganz Bayern und einheimische Mitbürger an; etwa 5.000 Gäste verfolgten das Programm mit Reden, Musik,Gesang und Tanz. Als Moderatoren fungierten Katharina Gaus und der Projektleiter der Landsmannschaft, Jakob Fischer.
Pünktlich zum Landestreffen konnte der Landesverband die Broschüre “Deutsche aus Russland – Gewinn für Bayern” mit 55 Biografien aus den Bereichen Ehrenamt, Beruf und Selbständigkeit, Kultur und Sport herausgeben. Unterstützung kam vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen mit Staatsministerin Christa Stewens und dem Haus des Deutschen Ostens in München mit seinem Direktor Dr. Ortfried Kotzian. Beide gehörten zu den Ehrengästen des Landestreffens.
Weitere Ehrengäste waren u.a. der Augsburger Domkapitular Dr. Dietmar Bernt, die beiden Augsburger Bundestagsabgeordneten Dr. Christian Ruck (CSU), dem für sein Engagement für die Belange der Deutschen aus Russland in Augsburg und darüber hinaus die goldene Ehrennadel der Landsmannschaft verliehen wurde, und Heinz Paula (SPD), der Vorsitzende der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag, Georg Schmid, der Augsburger Landtagsabgeordnete Johannes Hintersberger (CSU) und der 2. Bürgermeister der Stadt, Hermann Weber (CSU).

“Wir wollen, dass sich Alteinwohner und Neubürger gleich wohl fühlen in Bayern.”

Den Höhepunkt der Feierstunde bildete die Ansprache des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Günther Beckstein, der uneingeschränkte Solidarität mit den Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion zeigte: “Die Vergangenheit der Menschen hier muss uns eine Lehre sein. Hier kamen und kommen Menschen zu uns, die sich uns zugehörig fühlen, die Deutsche sein wollen und Deutsche sind. Sie sind Landsleute von uns.”
Mit Blick auf das Motto des Landestreffens rief er die Deutschen aus Russland auf, den Zusammenhalt in Bayern zu pflegen, der wichtig sei, um “die eigenen Anliegen und Interessen öffentlich zu Gehör zu bringen und auch politisch durchzusetzen”.
Dr. Beckstein betonte, dass die Deutschen aus Russland zu einem wichtigen Teil Bayerns geworden seien; sie bildeten heute zusammen mit den Sudetendeutschen neben den Altbayern, Franken und Schwaben den vierten Stamm Bayerns.
Die Beispiele in der Broschüre zeigten, so der Landesvater, dass in Hunderttausenden von Deutschen aus Russland in Bayern ein riesiges Potential stecke. Sie stärkten Bayern mit ihrem Engagement nicht nur im Wirtschaftsleben, sondern auch im sportlichen, geistigen und kulturellen Bereich. “Wir haben ein großes Interesse daran, dass sich die Deutschen aus Russland möglichst schnell integrieren. Wenn es hier und da noch Probleme gibt, dann müssen wir gemeinsam nach vernünftigen Lösungen suchen”, brachte er seinen Wunsch auf weitere gute Zusammenarbeit mit der Landsmannschaft zum Ausdruck.
Bayern setze sich dafür ein, die Deutschen aus Russland zu integrieren und ihren Kindern Bildung zu ermöglichen, betonte der Ministerpräsident weiter. Er rief die Deutschen aus Russland dazu auf, sich in ihren Vereinen, aber auch in der Kommunalpolitik zu engagieren: “Nur wenn wir gemeinsam unsere Zukunft gestalten, wird Bayern eine tragfähige Zukunft für alle vier Stämme haben. Wir wollen, dass sich Alteinwohner und Neubürger gleich wohl fühlen in unserem Freistaat Bayern.”
Auch Dr. Christoph Bergner betonte insbesondere den Stellenwert der Integration. Er unterstrich wiederholt die besondere Solidarität des deutschen Staates mit den Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion, die am längsten unter den Kriegsfolgen leiden mussten. Man müsse in den Deutschen aus Russland zuerst die Schicksalsgemeinschaft sehen und dafür sorgen, dass es eine Sprachgemeinschaft werde.
Außerdem forderte er mehr Akzeptanz gegenüber den Deutschen aus Russland. “Die Spätaussiedler sind Deutsche”, betonte er mit Nachdruck und dankte der Landsmannschaft dafür, dass sie sich von den Aktivitäten der so genannten russischsprachigen Diaspora distanzierte: “Das ist nicht die Heimat der Deutschen aus Russland!”
Die Redner von Seiten der Landsmannschaft nutzten die Gelegenheit, auf das Nachlassen der Akzeptanz der Deutschen aus Russland durch die bundesdeutsche Öffentlichkeit und weitere aktuelle Probleme hinzuweisen. “Spätestens ab Mitte der 1990er Jahre wurden die Deutschen aus Russland immer häufiger mit völlig unberechtigten Vorwürfen konfrontiert. Dies ist eine mehr als bedauerliche Erscheinung seit dem sprunghaften Ansteigen der Aussiedlerzahlen ab Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts”, sagte Adolf Fetsch.
Mit Blick auf die zahlreichen Beispiele in der Broschüre “Deutsche aus Russland – Gewinn für Bayern” betonte er, wie weit die negativen Urteile über Deutsche aus Russland an der Realität vorbeigehen. “Wir sollten immer wieder voller Stolz auf den ausgeprägten Leistungswillen unserer Landsleute gerade auf kulturellem und vor allem sportlichem Gebiet hinweisen”, so Fetsch.
An diesen Gedanken knüpfte auch Eduard Neuberger an, indem er dazu aufrief, “die Deutschen aus Russland nicht durch einen Schleier negativer Vorurteile zu betrachten und sie auszugrenzen, sondern sie im Land ihrer Vorfahren willkommen zu heißen und ihnen in Deutschland die so lange ersehnte Heimat zu geben”.

Das Kulturprogramm – schwungvoll und vielfältig

Musikalisch wurde die Feierstunde vom Augsburger Chor “Heimatmelodie” (Leitung Aljona Heiser), der Siebenbürger Blaskapelle Augsburg (Vorsitzender Gerhard Weber) und der russlanddeutschen Folkloregruppe “Birkenhain” (Leitung Nadja Fuchs) umrahmt. Auch der nachfolgende gesellige Teil des Treffens bot dem Publikum bis spät abends zahlreiche kulturelle Höhepunkte.
Der Chor “Heimatmelodie” überzeugte mit meisterhaftem Gesang, Jakob Fischer und Eduard Frickel unterhielten mit Volksmusik. Viel Schwung hatten die Tanz- und Musikgruppen mit ihrem internationalen Gesangs- und Tanzrepertoire mitgebracht. So tanzten sich die Tanzgruppen der djo – Deutsche Jugend in Europa in die Herzen der Zuschauer: “Birkenhain” mit deutscher Folklore aus der ehemaligen Sowjetunion, “Crazy Dancer” (Leitung Anna Hergert) mit Klassischem, Modernem und Orientalischem.
Die Kindertanzschule Fettich Augsburg (Leiterin Ludmilla Fettich) präsentierte sich mit Ballett- und Jazztanz und erntete ebenso begeisterten Beifall wie die Kindergruppe aus Regensburg, die Kindertanzgruppe “Glühwürmchen” aus Augsburg (Nelli Schulz), die drei Tanzgruppen aus Ingolstadt, das Tanzensemble Videoclip-Dancing aus Königsbrunn, die Neusässer Faschingsgesellschaft “Narrneusia” sowie die Sportshow der Systema Akademie Augsburg.
Beeindruckt war das Publikum auch vom Gesangsensemble “Edelweiß” aus Donezk, Ukraine, das in Bayern auf Einladung der Ortsgruppe München gastierte und eine musikalische Brücke zur alten Heimat schlug. Das Abendprogramm gestaltete die Musikband “Presto” aus Baden-Württemberg.
Das gemeinsame Essen gehörte mit zur Geselligkeit. Im Festzelt gab es bayerische Schmankerln, während draußen russlanddeutsche Spezialitäten wie Blini, Schaschlik, Manti und Tschebureki serviert wurden. Außerdem präsentierten sich Vereine und Unternehmer aus verschiedenen Bereichen mit Info- und Verkaufsständen. Der Historische Forschungsverein der Deutschen aus Russland stellte eine reiche Auswahl seiner Bücher und Kalender vor. Und am Stand der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland gaben kompetente Landsleute gemeinsam mit Vertretern der Stadtverwaltung Augsburgs Auskunft.
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