Geschichte | Der Zug der Schwaben ans Schwarze Meer


Die dritte Einwanderungswelle folgte zur Zeit des russischen Zaren Alexander I. von 1801 bis 1825. Die größten Schübe gab es (mit Unterbrechungen) von 1803 bis 1823. Die Mehrzahl der Auswanderer kam aus Württemberg. Ihr Weg führte im Normalfall, über Polen und Podolien auf dem Landweg oder mit Booten auf der Donau über Ulm („Ulmer Schachteln“) nach Bessarabien, in die Ukraine, in den Kaukasus oder auf die Krim. Dort gab es fruchtbare Landstriche, die nur kultiviert werden mussten. Dafür waren die Einwanderer, die von ihren neuen Nachbar einfach als Schwaben gesehen wurden, obwohl bei weitem nicht alle aus Württemberg stammten, die richtigen Menschen.
Nicht unerwähnt sollte freilich bleiben, dass der Sohn und Nachfolger von Katharina II., Paul I. (1796-1801), mit seinem Manifest vom 20. Februar 1801 nur 200 deutsche Siedler pro Jahr anwerben wollte. Aber schon 1803/04 führte etwa ein russischer Kommissar namens Ziegler 6.000 bis 7.000 Deutsche von Ulm aus auf der Donau nach Südrussland. Die Siedler gaben ihren Kolonien oft die Namen ihrer Heimatorte wie Darmstadt, Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Basel, Straßburg, Selz, Kandel oder Mariental. Dieser Umstand bedeutete 140 Jahre später für so manche Schwarzmeerdeutsche, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland gefl ohen waren, die Rettung vor der „Repatriierung“ nach Sibirien oder ans Nördliche Eismeer, da viele sowjetische, alliierte und auch deutsche Stellen nicht ahnten, dass ihre Geburtsorte mit den bekannten deutschen Namen nicht in Württemberg oder der Pfalz lagen, sondern im fernen Russland.

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