Geschichte | Integrationsprobleme


Das Bundesministerium des Innern führte Ende 2001 in seinem Faltblatt zur Aussiedlerpolitik „Neue Wege“ zu Integrationsproblemen der Spätaussiedler aus:
„Die Integration der Spätaussiedler ist Schwerpunkt der Aussiedlerpolitik der Bundesregierung. Sie ist trotz zurückgegangener Zuzugszahlen erheblich schwieriger geworden. Das hat verschiedene Ursachen:
– Die Deutschkenntnisse der heutigen Aussiedler sind geringer als früher.
– Der kulturelle Abstand zur einheimischen Bevölkerung ist wegen der zunehmenden Zahl gemischtnationaler Familien aus Russland und Mittelasien größer geworden.
– Die Chancen, eine wunschgemäße Beschäftigung zu bekommen, haben sich angesichts der generellen Probleme auf dem Arbeitsmarkt und in Teilbereichen unserer Wirtschaft oft eher verschlechtert.
– Wohngebiete mit besonders hohem Aussiedleranteil sind oftmals zu sozialen Brennpunkten geworden und erschweren die Integration.“
Integration ist keine einseitige Angelegenheit und auch kein Prozess von ein paar Jahren. Die Erfahrungen, der letzten 40 Jahre mit ausländischen Arbeitnehmern und ihren Familien haben gezeigt, dass für eine vollständige Integration auch Jahrzehnte nur dann ausreichen, wenn die Integration von beiden Seiten gewollt wird. Deutsche aus Russland wollen die Integration! Ausnahmen vor allem unter den nicht deutschen Familienangehörigen sollten als normal toleriert werden.
Darin liegt ein bedeutender Unterschied zwischen deutschen Spätaussiedlern und nichtdeutschen Einwanderern. Die meisten russlanddeutschen Aussiedler brennen geradezu darauf, endlich gleichberechtigte Bürger zu werden und nicht nur Deutsche nach dem Buchstaben des Gesetzes zu sein. Dabei geraten sie in ein brisantes Spannungsfeld: Sie merken, dass ihre Akzeptanz bei der hiesigen Bevölkerung gesunken ist. Besonders davon betroffen sind russlanddeutsche Familien, die in den letzten Jahren gekommen sind, oft in gemischtnationalen Ehen leben und obendrein in Siedlungen oder gar Übergangswohnheimen mit einem besonders hohen Anteil an russischsprachigen Einwanderern wohnen. Bis sie sich aus diesem Umfeld lösen können und wie ihre vor 1990 gekommenen Landsleute nicht mehr auffallen, vergehen Jahre.
Verantwortungsbewussten Deutschen aus Russland bleibt auch nichts anderes übrig, als sich zu integrieren. Sie haben in der ehemaligen Sowjetunion ihre Zelte abgebrochen und wollen und müssen hier ein neues leben beginnen. Und sie appellieren an die einheimische Bevölkerung: „Habt noch etwas Geduld mit uns. Spätestens unsere Kinder werden es euch danken.“

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